:. Leitlinien Experience for Your Future

Aus unserer Verantwortung der jungen Generation gegenüber ist es nur folgerichtig, den Zivildienst zum Lerndienst weiterzuentwickeln. Den Zivildienstleistenden müssen Entwicklungsmöglichkeiten in dieser Zeit des Gesellschaftsdienstes geboten werden. Attraktive Lernfelder während der Dienstzeit können dazu beitragen, notwendige Schlüsselqualifikationen für das weitere Leben zu erwerben bzw. auszubauen. Dies ist unser Beitrag zu einer aktiven Bürgergesellschaft.
Ein Zusammenwirken aller am Zivildienst beteiligten Gruppen ist gefordert, soll dieses Anliegen erfolgreich sein. Der PARITÄTISCHE, seine Mitgliedsorganisationen in Schleswig-Holstein und die Paritätischen Sozialdienste als Bildungsträger verpflichten sich, den Zivildienst zum Lerndienst auszubauen. Diese Arbeit soll kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt werden. Grundlage für das gemeinsame Handeln bilden die in diesem Papier definierten Qualitätsstandards.

1. Zivildienstleistende gewinnen

Das Programm "Zivildienst plus - Experience for Your Future!" bietet besondere Möglichkeiten des Lernens in Praxis und Theorie während des Zivildienstes. Deshalb ist bereits während der Bewerbungsphase genau zu klären, inwieweit die Erwartungen und Kompetenzen der Zivildienstleistenden mit dem Angebot der jeweiligen Einrichtung in Übereinstimmung stehen. Eine ausreichende Hospitation in der Einrichtung in Verbindung mit einem Assessment unterstützt dieses Anliegen.
Die Einrichtung und der Zivildienstleistende müssen sich aufeinander verlassen können. In einem Vertrag werden die Ziele und Aufgaben, die verfolgt werden sollen, definiert und festgehalten. Gleichzeitig wird ein Mentor benannt, der dem Zivildienstleistenden als persön­licher Ansprechpartner und als Förderer dient. Eine Überprüfung der Vereinbarung erfolgt nach der Einarbeitungsphase und zusätzlich gemäß einer durch die Einrichtung festzulegenden Routine.

2. Strukturiertes Lernen in der Praxis

Das Programm "Zivildienst plus - Experience for Your Future!" fördert ein strukturiertes Lernen in der Praxis. Wenn möglich sind in der Dienststelle mehrere Tätigkeitsfelder als Angebot vorzuhalten, die dem Zivildienstleistenden die Chance bieten, neue Erfahrungen zu sammeln und persönlich zu wachsen. Dies geschieht unter besonderer Beachtung seines persönlichen und beruflichen Nutzens. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeits- bzw. Lernfeldern ist zu prüfen. Lernziele und -inhalte, aber auch Lernprozesse und ‑organisation sind in einem auf den Zivildienstleistenden zugeschnittenen Curriculum festzuhalten.

3. Ein Einarbeitungsplan gibt Orientierung

Vor Beginn des Dienstes wird gemeinsam mit dem Zivildienstleistenden ein Einarbeitungsplan vereinbart. Es ist sicherzustellen, dass der Zivildienstleistende notwendige Informationen über die Einrichtung und seine Tätigkeiten erhält. Seine Integration in das Team ist unabdingbar. Der Einarbeitungsplan dient als Orientierung sowohl für die anleitenden Fachkräfte als auch für den Zivildienstleistenden. Teile der Aufgaben können an erfahrene, kompetente Zivildienstleistende delegiert werden.

4. Projekte selbstverantwortlich realisieren

Als zentrales Prinzip während des Einsatzes in der Dienststelle wird das Learning by Doing verfolgt. Deshalb können - wenn möglich - dem Zivildienstleistenden nach der Einarbeitungsphase Projekte übertragen werden, die er in eigener Verantwortung realisiert. Die Projekte greifen einen Bedarf auf, der durch die Einrichtung bislang nicht befriedigt werden konnte. Dem Zivildienstleistenden bieten sie sinnvolle Betätigung und Entwicklungschancen. Diese Projekte können abteilungs- oder einrichtungsübergreifend angelegt sein, aber auch allein oder in Gruppen realisiert werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtung unterstützen den Zivildienstleistenden bei seiner Arbeit und dienen ihm als Vorbild. Sie erkennen die geleistete Arbeit an und leiten bei Misserfolgen Korrekturmaßnahmen ein.

5. Ergänzendes Bildungsangebot

Komplementär zum Lernen in der Praxis werden einrichtungsübergreifend zentral Block­seminare und in der Region Tagesveranstaltungen angeboten. Sie unterstützen den Zivildienstleistenden in seinem Bemühen, seinen Dienst proaktiv auszufüllen. Persönlichkeitsbildung, tätigkeitsspezifisches Wissen und Fertigkeiten sowie berufsqualifizierende Themen sind Schwerpunkte der Bildungsarbeit. In diesem Zusammenhang sind auch Fragen der
Ethik, Umgang mit Sterben und Tod, aber auch das Arbeiten in Projekten zu bearbeiten.

6. Begleitende Maßnahmen

Der Mentor verbindet eine qualifizierte fachliche Anleitung mit einer persönlichen Betreuung des Zivildienstleistenden. Ein kontinuierlicher Kontakt ist sicherzustellen. Er findet statt in der persönlichen Beratung, bei der Besprechung beruflicher Problemstellungen und bei Zielver­einbarungs- und Entwicklungsgesprächen.
Im Monatsrhythmus wird ein Projektcoaching in Kleingruppen angeboten, um zu gewährleisten, dass die bearbeiteten Projekte realisiert werden können. Sinnvoll wäre darüber hinaus die Organisation einer kollegialen Beratung in Peergroups.

7. Reflexion und Transfer

Im elften oder zwölften Monat wird ein abschließendes Reflexionsseminar angeboten, damit die im Dienst gewonnenen Erfahrungen reflektiert und in den nächsten Lebensabschnitt integriert werden können. Auf dieser Grundlage erhält der Zivildienstleistende ein Zertifikat, das seinen Dienst ausführlich dokumentiert.

8. "Zivildienst plus" weiterentwickeln

Entscheidend ist, dass die definierten Qualitätsstandards umgesetzt werden. Deshalb wird das Projekt "Zivildienst plus - Experience for Your Future!" einmal jährlich auf den Prüfstand gestellt. Ein besonderer Schwerpunkt ist darauf zu legen, inwieweit das Lernjahr in den Bereichen persönlicher und beruflicher Nutzen nachhaltig auf den Zivildienstleistenden gewirkt hat. Verantwortlich für das Prüfverfahren sind Beauftragte für den Zivildienst in den Einrichtungen und beim PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein. Sie evaluieren die geleistete Arbeit und verfassen einen Bericht, der eine Bestandsaufnahme und Vorschläge zur Verbesserung der Arbeit enthält.

9. Eine Anerkennungskultur schaffen

Der PARITÄTISCHE Schleswig-Holstein will seinen Beitrag dazu leisten, dass der Zivildienst als Lerndienst gesellschaftlich anerkannt wird. Dies geschieht durch eine Internetplattform, Berichte in den Medien und verbandliche Publikationen.
Der Verband und die beteiligten Mitgliedsorganisationen verpflichten sich, dass bei der Besetzung von Vollzeitstellen oder Aushilfstätigkeiten Bewerber mit einem Zertifikat "Zivildienst plus - Experience for Your Future!" einen besonderen Bonus erhalten. Eine Anerkennung im Rahmen von Berufsausbildungen ist anzustreben.

Verabschiedet durch den Landesvorstand des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein am 15.1.2007

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